von am 31.08.2018

„Deutsche Mitarbeiter erst auftauen“

Das Unternehmen Kinkelder im niederländischen Zevenaar ist Spezialist für industrielle Sägelösungen. Die Firma beschäftigt rund 180 Mitarbeiter, davon etwa zehn Prozent Deutsche. Derzeit wirbt Kinkelder verstärkt auf dem deutschen Markt um Arbeitnehmer. Wie funktioniert die Zusammenarbeit? Wo gibt es rechtliche oder steuerliche Hindernisse? Im Gespräch mit dem GrenzInfoPunkt (GIP) Rhein-Waal berichtet Personalchef Dick Pelskamp über seine Erfahrungen.

GIP: Herr Pelskamp, was produzieren Sie bei Kinkelder genau?

DP: Wir fertigen Kreissägeblätter für die Metallindustrie. Dabei handelt es sich häufig um individuelle Maßanfertigungen. Wir vertreiben unsere Produkte an Händler, die wiederum Produktionsunternehmen beliefern, die überwiegend Komponenten für die Automobilindustrie herstellen. Gut die Hälfte der Produkte, die mit unseren Sägeblättern hergestellt werden, landet somit in Fahrzeugen aller Art.

GIP: Bei Ihnen arbeiten auch seit vielen Jahren deutsche Beschäftigte. Wie hoch ist ihr Anteil am Personal?

DP: Bei uns arbeiten derzeit 18 Deutsche, einer bereits seit zwölf Jahren. Damit machen sie etwa zehn Prozent unseres Personalbestandes aus.

 

„Die deutschen Kollegen haben den Vorteil, dass sie nach ihrer Ausbildung über größere technische Grundkenntnisse verfügen.“

 

GIP: Welche Aufgaben haben die deutschen Mitarbeiter?

DP: Einer ist Produktionsleiter, einer Coating-Spezialist und die meisten anderen arbeiten in der Produktion. Die deutschen Kollegen haben den Vorteil, dass sie nach ihrer Ausbildung über größere technische Grundkenntnisse verfügen. Das wird in den Niederlanden nur noch unzureichend gelehrt. In Deutschland gibt es Mechaniker und Schleifspezialisten in den unterschiedlichsten Ausprägungen.

GIP: Wie sind die Mitarbeiter aus dem Nachbarland integriert?

DP: Gut! Wir ermöglichen ihnen zum Einstieg die Teilnahme an einen Kursus Niederländisch, damit für sie die Schwelle sinkt, sich mit den Kollegen auszutauschen. In unserer Branche kommt es oft auf die Nuancen an, deshalb ist Sprachkenntnis für uns wichtig. Außerdem erleichtert es die Integration im Team. Die meisten deutschen Mitarbeiter stammen aus der Grenznähe, weshalb ihnen das Niederländische nicht ganz fremd ist.

GIP: Gibt es administrative Hürden, die beachtet werden müssen?

DP: Teils, teils. Die Krankenversicherungen sind zwischen der niederländischen Krankenversicherung Menzis und den deutschen Versicherungsanbietern gut geregelt, zumindest bei den Basisversicherungen. Alle Zusatzversicherungen sind jedoch völlig frei festzulegen. Das muss beachtet werden. Beispielsweise ist es in Deutschland so, dass ein Arbeitnehmer seine nicht arbeitende Ehefrau problemlos mitversichern kann. Wenn der Mann in den Niederlanden arbeitet, geht das nicht automatisch.

GIP: Wie sieht es steuerlich aus?

DP: In Deutschland gibt es eine ganz andere Einteilung in Steuerklassen als in die Niederlanden. Junge alleinstehende Frauen und Männer aus Deutschland haben deswegen Vorteile in den Niederlanden.

 

„Wenn sie unsere Arbeitsweise einmal verinnerlicht haben, wollen sie oft nicht mehr in das alte System zurück.“

 

GIP: Stellen Sie auch Kulturunterschiede im Arbeitsalltag fest?

DP: Aber gewiss! Die deutschen Mitarbeiter zeichnen sich durch Struktur und Direktheit aus, die niederländischen Kollegen durch Flexibilität und Eigeninitiative. Das heißt konkret: Die deutschen Beschäftigten müssen sich in unserer offenen Arbeitskultur erst zurechtfinden; sie müssen die Freiheit in unseren flachen Hierarchie erst entdecken. Wir müssen sie gewissermaßen „auftauen“. Wenn sie unsere Arbeitsweise einmal verinnerlicht haben, wollen sie oft nicht mehr in das alte System zurück.

GIP: Wie verhält es sich bei Berufstiteln?

DP: Wir haben einen Mitarbeiter, der in Deutschland Meister ist. Das kennen wir in den Niederlanden nicht. Mit dem Verlust der damit verbundenen Stellung musste er erst einmal zurechtkommen.

GIP: Haben Sie abschließend noch einen Tipp für potenzielle deutsche Mitarbeiter?

DP: Mit Respekt und Freundlichkeit kommt man in den Niederlanden sehr weit. Zudem sollten deutsche Mitarbeiter ruhig zeigen, was sie können. Sie verfügen oft über interessante technische Kenntnisse, sind damit aber oft sehr zurückhaltend.

Über Dick Pelskamp

Dick Pelskamp ist seit 2000 Personalchef bei Kinkelder. Zuvor war er für das Qualitätsmanagement zuständig. Die Abteilung Human Resources besteht insgesamt aus drei Mitarbeitern. Demnächst soll ein vierter Kollege (mit dem Schwerpunkt Betriebsausbildung) die Abteilung verstärken.

Der GrenzInfoPunkt

Für alle Fragen rund um grenzüberschreitendes Arbeiten, Wohnen und Studieren steht der GrenzInfoPunkt der Euregio Rhein-Waal zur Verfügung. Es handelt sich dabei um eine Partnerschaft mehrerer Organisationen: der Deutschen Rentenversicherung, UWV, der Agentur für Arbeit, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, dem Finanzamt, Belastingdienst, SVB/Bureau Duitse Zaken sowie FNV und CNV. Jeder Partner stellt dabei sein spezielles Wissen zur Verfügung. Auf dieser Grundlage erhalten Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Studierende und ehemalige Grenzgänger eine kompetente Beratung. Die Leistungen des GrenzInfoPunktes stehen allen Interessierten gratis zur Verfügung. Der GrenzInfoPunkt Rhein-Waal arbeitet auch eng mit anderen GrenzInfoPunkten entlang der deutsch-niederländischen Grenze zusammen.