Interview Patrick Gilleßen

Gekommen, um zu bleiben

Mehr als 20.000 deutsche Abiturienten zieht es jährlich zum Studium in die Niederlande. Patrick Gilleßen aus der münsterländischen Gemeinde Senden war im Jahr 2011 einer von ihnen. „Ich war fertig mit dem Abi und hatte keine Ahnung, was ich machen soll“, gibt der 26-Jährige heute offen zu. „Mein Vater hat dann zufällig gesehen, dass die Saxion in Enschede einen Tag der offenen Tür anbietet. Ich dachte mir: Klar, da fahr ich mal hin, Holland ist cool, das gucke ich mir mal an.“

Diese Hochschule sollte die einzige bleiben, mit der sich Patrick genauer beschäftigte. Von dem Studiengang Small Business & Retail Management war er so überzeugt, dass er sich direkt an der Uni einschrieb und noch vor seinem Abiball nach Enschede umzog. „Es ging gar nicht anders“, erklärt er, „denn ich musste noch einen Sprachkurs machen.“ Logisch, denn das Studium in Enschede fand natürlich auf Niederländisch statt. Nach den verpflichtenden drei Wochen hängte Patrick direkt fünf weitere Wochen intensiven Unterricht hintendran und erreichte so das höchste Sprachniveau.

Auch wenn der Auslandsstudent seine fünfjährige Hochschullaufbahn ausschließlich in Enschede verbrachte, so hat er doch eine Vorstellung davon, was im niederländischen Bildungssystem anders läuft als in Deutschland. „Jeder Student hat einen Vertrauensdozenten, der einen das gesamte Studium über begleitet. Das ist wirklich gut, weil er dich, deine Hintergründe und Privatsituation kennt und du mit ihm über alles reden kannst“, erläutert er.

Dieser persönliche und vertraute Kontakt spiegelt sich für Patrick nun auch in der Arbeitswelt wider. Als Teil seines Studiums absolviert er seit einem Jahr ein Trainee-Programm bei der Firma DS Internet Trading B.V. in Enschede und wurde schon vor Ablauf dieser Zeit mit einem Festvertrag ausgestattet. „Normalerweise wäre ich jetzt zu einer anderen Firma gewechselt, allerdings hat es hier so gut gepasst, dass ich jetzt mein gesamtes Programm hier absolviere“, erzählt er stolz. Vor allem die ganz besondere Arbeitsatmosphäre ist es, die Patrick in seinem Unternehmen ungemein schätzt. „Man duzt sich direkt, es gibt so gut wie keine gelebte Hierarchie. Es gibt zwar einen Chef, aber der stellt sich nicht als solcher vor, sondern ist ein ganz normaler Kollege.“

Bei seinem Arbeitgeber ist er zurzeit mächtig eingebunden. „Auf dem deutschen Markt wachsen wir gerade enorm“, legt er dar, „und für die Kunden dort bin ich zuständig.“ Seine Aufgabe ist es, über die Webshops des Unternehmens Serverschränke zu verkaufen. Dabei genießt der Bachelor of Business Administration aktuell die angenehme Mischung, intern auf Niederländisch und extern auf Deutsch zu kommunizieren.

Weil beruflich und privat in Enschede alles für Patrick stimmt, hegt er ganz und gar nicht die Absicht, in absehbarer Zeit nach Deutschland zurückzukehren. Ganz im Gegenteil, nach dem Gespräch beim GrenzInfoPunkt meldete er seinen offiziellen Wohnsitz in Senden ab und wohnt, arbeitet und zahlt nun Steuern in den Niederlanden. Allerdings – das müsse er zugeben – könne er sich vorstellen, „irgendwann mal im Westen, in Amsterdam oder Rotterdam zu wohnen.“ Fest steht also, dass Patrick in die Niederlande gekommen ist, um zu bleiben.

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