Interview Tom Bollen

Von Australien nach Vreden

Tom Bollen ist gerne unterwegs. Seitdem er seine Lehre als Bauschreiner in den Niederlanden im Jahr 2012 beendet hat, ist er ziemlich weit herumgekommen. „Damals wurde mein Vertrag bei meinem Arbeitgeber nicht verlängert und ich war plötzlich arbeitslos“, erinnert sich der 25-Jährige an den Wendepunkt in seinem Leben. Nach ein paar Monaten ohne Job kam plötzlich die Betonbaufirma Heinrich Temmink aus Ammeloe in Deutschland auf den Niederländer aus Eibergen zu. „Es hatte sich rumgesprochen, dass ich Arbeit suche“, erzählt Tom, „und eine Woche nach meinem ersten Gespräch mit der Firma habe ich schon dort gearbeitet.“

Nach knapp einem Jahr Arbeitserfahrung zog es den Grenzpendler aber plötzlich weiter fort als nur ein paar Kilometer über die Grenze. „Ein Jahr lang bin ich durch Australien gereist und habe mir dort mein Geld verdient“, berichtet Tom mit einem Funkeln in den Augen. Nach seiner Rückkehr vom Fünften Kontinent hielt es ihn wiederum nicht lange in seinem  Heimatland und er bewarb sich bei CKM in Vreden, einem Montagebetrieb für Tischlereiprodukte. „Ich hatte gehört, dass das eine Firma ist, die viel in der Welt rumkommt und genau darauf hatte ich auch Lust“, begründet er seine Entscheidung für den Arbeitgeber im westlichen Münsterland.

Zugute kam ihm bei seiner Bewerbung, dass er dank der Familie seiner deutschen Mutter zweisprachig aufgewachsen ist. Da er das Schreiben im Gegensatz zum Sprechen allerdings niemals richtig gelernt hatte, musste ihm eine Großcousine bei der Bewerbung helfen. Denn zu Temmink hatte er damals seine niederländische Bewerbung hingeschickt, „und das war eigentlich nicht so passend“, wie Tom rückblickend feststellt. „Allerdings war das auch anders, denn die wollten mich, und bei CKM wollte ich anfangen und musste deshalb liefern.“

Kurz nachdem Tom das erste Mal Arbeit in Deutschland gefunden hatte, besuchte er den Grenzinfopunkt der EUREGIO. „Ich hatte allgemeine Fragen zur Versicherung und zur Rente und habe einige gute Antworten bekommen“, erinnert er sich an ein aufschlussreiches Gespräch mit den Beratern. „Ich weiß jetzt zum Beispiel, dass ich als Holländer in einer deutschen Firma nicht länger als 183 Tage im Jahr in Holland auf Montage gehen darf, ohne meine Einkommenssteuer nach dort zu verlagern.“ Vor allem diese Information sei ihm in Erinnerung geblieben.

Obwohl Tom Bollen ein waschechter Grenzpendler ist, fühlt er sich längst nicht als solcher. „Ich fahre nur zehn Minuten zur Arbeit und bin noch nie in eine Grenzkontrolle geraten, denn die finden nicht zu meinen Pendelzeiten statt“, sagt er lachend. Die Staatsgrenze nehme er deshalb auch überhaupt nicht mehr wahr.

Ob er seine berufliche Zukunft in Deutschland sieht? „Die Arbeit bei CKM macht mir sehr viel Spaß, die Stelle hat gehalten, was sie versprach. Aber ich fühle mich nicht zwingend an Deutschland gebunden und kann mir durchaus vorstellen, irgendwann auch mal wieder woanders zu arbeiten.“

Es kann also heute noch niemand sagen, wohin Tom Bollen aus Eibergen seine Reise fortsetzen wird.

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