Arbeiten in mehreren Staaten

Grundsätzlich sind Angestellte in dem Land sozialversichert, in dem Sie arbeiten.

Es kommt regelmäßig vor, dass Personen in mehreren EU-Ländern „gleichzeitig“ arbeiten. Das gilt bereits, wenn man in Deutschland wohnt und im Home-Office für einen niederländischen Betrieb arbeitet oder für diesen deutsche Kunden besucht. Das ist auch der Fall, wenn man als LKW-Fahrer in mehreren Ländern Kunden beliefert.

Im europäischen Recht ist geregelt, dass eine Person nur unter das Sozialversicherungsrecht eines Landes fallen kann. Welches Land zuständig ist, wird in der EU-Verordnung 883/2004 bestimmt. Wichtig ist dabei, ob Sie als Selbstständiger, als Arbeitnehmer oder als Beamter tätig sind, und ob Sie auch in Deutschland (Ihrem Wohnland) arbeiten.

Regelungen nach Berufsgruppen

Allgemeine Regelungen

Einkommenssteuer

In welchem Land Sie Ihre Einkommenssteuer bezahlen müssen, haben die einzelnen Länder untereinander in Doppelbesteuerungsabkommen geregelt. In der Regel muss Einkommen in dem Land versteuert werden, in dem es auch erworben wurde, also in dem Land, in dem die Arbeit verrichtet wurde. Wer also in zwei Ländern arbeitet, bezahlt in der Regel auch in zwei Ländern Lohnsteuer. Das nennt man Salary Split.

Arbeiten in mehr als 2 Ländern (u.a. internationale Fahrer)

Wer bei einem Unternehmen außerhalb des eigenen Wohnstaats beschäftigt ist und in mehr als diesen zwei Ländern arbeitet, muss andere Regeln beachten. In diesem Fall werden die Tage, die im Arbeitgeberland gearbeitet werden auch dort versteuert, der Rest im Wohnland.

Achtung: Es gibt eine Ausnahme für Arbeitnehmer, die mehr als 183 Tage in einem dritten Land arbeiten. Hier helfen die GrenzInfoPunkte oder das Team GWO.

A1- Bescheinigung

Jeder, der regelmäßig in mehr als einem Land arbeitet, sollte eine A1-Bescheinigung beantragen.  Darüber wird festgelegt, nach welchem Sozialversicherungsgesetz die Person behandelt wird. In der Regel muss der Antrag im Wohnland erfolgen. In Deutschland ist dafür die DVKA (Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland) zuständig.

Die Bescheinigung dient nicht nur als Nachweis, dass Angestellte sozialversichert sind. Sie ist erforderlich, um zu vermeiden, dass Abgaben doppelt abgeführt werden müssen.

Es ist in Einzelfällen möglich, dass zwei EU-Länder vereinbaren, von den Regeln abzuweichen. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie in Deutschland bei der Krankenkasse oder DVKA und in den Niederlanden bei der SVB (Sociale Verzekeringsbank).

Arbeitslosengeld

In der EU ist eindeutig geregelt, welches Sozialversicherungsgesetz gilt, wenn jemand in einem anderen Land arbeitet. Leider sind die Regelungen in Verbindung mit einem (teilweisen) Arbeitslosengeld nicht eindeutig.

In den meisten EU-Ländern gilt, dass das Sozialversicherungsgesetz des Landes gilt, welches das Arbeitslosengeld auszahlt. Das bedeutet, dass die Sozialversicherungsabgaben in dem Land abgeführt werden müssen, aus dem die Leistung kommt.

In den Niederlanden wird es anders gehandhabt:
  • Beträgt das Arbeitslosengeld weniger als 25% des Gesamteinkommens, gilt das Sozialversicherungsrecht des Arbeitslandes.
  • Beträgt das Arbeitslosengeld 25% oder mehr des Gesamteinkommens, gilt das Sozialversicherungsrecht des Landes, aus dem die Leistungen kommen.

Sie sollten in jedem Fall eine A1-Bescheinigung anfordern (siehe oben).

Angestellte

In der EU is die Zustädigkeit der Sozialverischerungssysteme über die sogenannte 25%-Regel festgelegt. Dadurch ist eindeutig geregelt, in welchem Land Angestellte sozialversichert sind – und dadurch auch, in welchem Land die Abgaben dafür entrichtet werden müssen.

Die 25%-Regel (vereinfacht)

Für Angestellte einem Arbeitgeber

Weniger als 25% der Arbeitszeit
im Wohnland geleistet

Es gilt das Sozialverischerungsgesetz des
Arbeitgeberlandes

25% oder mehr der Arbeitszeit
im Wohnland geleistet

Es gilt das Sozialverischerungsgesetz des
Wohnlandes

Für Angestellte zwei Arbeitgebern in unterschiedlichen Ländern (aber nicht im Wohnland)

Immer

Es gilt das Sozialverischerungsgesetz des
Wohnlandes

Für Angestellte zwei Arbeitgebern in unterschiedlichen Ländern (inkl. Wohnland)

Weniger als 25% der Arbeitszeit
im Wohnland geleistet

Es gilt das Sozialverischerungsgesetz des
Arbeitgeberlandes welches nicht das Wohnland ist.

25% oder mehr der Arbeitszeit
im Wohnland geleistet

Es gilt das Sozialverischerungsgesetz des
Wohnlandes

Wenn Sie mehr als zwei Arbeitgeber haben, wird es komplizierter.
Wenden Sie sich an einen GrenzInfoPunkt in Ihrer Nähe.

Für internationale Lkw-Fahrer wird keine Ausnahme gemacht. Auch hier gilt die 25%-Regelung. Mehr Informationen lesen Sie hier.

Selbstständige

Bei einer selbstständigen Tätigkeit wird die Frage nach dem Sozialversicherungsrecht dann relevant, wenn regelmäßig (mindestens ein Tag im Monat) in mehr als einem Land gearbeitet wird. Für alle Länder in denen gewöhnlich gearbeitet wird sollte man eine A1-Bescheinigung beantragen (siehe oben).

Wenn die Tätigkeit im Wohnland 25% oder mehr der gesamten Arbeitszeit und/oder des Arbeitsentgelts ausmacht, ist das Sozialversicherungsrecht des Wohnlandes anwendbar. Andernfalls ist das Sozialversicherungsrecht des Landes anwendbar, in dem der wesentliche Teil der Tätigkeiten ausgeführt wird.

Achtung: Ob eine Tätigkeit als Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit eingestuft wird, hängt von den Bestimmungen des jeweiligen Staates ab, in dem die Tätigkeit ausgeübt wird! Dieselbe Tätigkeit kann also in verschiedenen Ländern unterschiedlich eingestuft werden. Die GrenzInfoPunkte helfen Ihnen gerne.

Gleichzeitig Angestellte und Selbstständige

Wenn Sie in einem Land als Arbeitnehmer*in und im anderen Land als Selbstständige*r arbeiten, dann fallen Sie stets unter die Sozialversicherungsgesetzgebung des Landes, in dem Sie als Arbeitnehmer*in arbeiten.

Wenn Sie ohne Anstellung in mehreren Ländern als Selbstständige*r tätig sind, wenden Sie sich an einen GrenzInfoPunkt in Ihrer Nähe.

Für Beamte gibt es Ausnahmeregelungen. Bei Beamten gilt das Sozialversicherungsrecht des Landes, in dem der Beamte das Dienstverhältnis hat.

Wer in mehreren Ländern arbeitet, und in einem dieser Länder als Beamter gilt, ist auch in diesem Land sozialversichert.

Wenn jemand in mehreren Ländern verbeamtet ist, gilt die 25%-Regel (siehe Angestellte).

Steuern werden grundsätzlich im Land des Dienstherren entrichtet. Es gibt Ausnahmen für Beamte mit der Nationalität Ihres Wohnlandes. Wenden Sie sich hierzu bitte an einen GrenzInfoPunkt in Ihrer Nähe.

Sonderregelungen für Seeleute

Im Allgemeinen gilt das Hoheitsgebiet des Schiffes. Arbeiten an Bord werden also so betrachtet, als würden sie in dem Land ausgeübt, unter dessen Flagge das Schiff fährt.

Achtung: Wenn der Lohn von einem Unternehmen bezahlt wird, das seinen Sitz in einem anderen Staat hat, gilt die Gesetzgebung des Unternehmenssitzes.
Sie sollten im Vorhinein alle Informationen einholen, um Ihre Situation eindeutig zu klären.

Besatzungsmitglieder von Rheinschiffen

Hier gilt das Übereinkommen über die Soziale Sicherheit der Rheinschiffer.

Bei Zweifeln Wenden Sie sich an einen GrenzInfoPunkt in Ihrer Nähe.

In Situationen mit internationalem Transport (über die Straße oder nicht) ist es immer wichtig, sich ein Bild von allen relevanten Sachverhalten zu machen. Die Beantragung eines A1 ist ein wichtiger Bestandteil, um Sicherheit in der Gesamtsituation zu bekommen.

Hier finden Sie
Grenzinfopunke in Ihrer Nähe