Steuern für internationale Kraftfahrer

Diese Informationen sind für Kraftfahrer, die in den Niederlanden wohnen und für einen deutschen Transportunternehmer arbeiten. Sowohl der Berufskraftfahrer als auch der Transportunternehmer, der einen Grenzgänger beschäftigt, müssen sich mit der Gesetzgebung von mehr als einem Land befassen. Die unten stehenden Informationen beziehen sich auf Steuern und Sozialversicherung. Wir möchten allerdings vorab darauf hinweisen, dass der Ort, an dem Sozialversicherungspflicht besteht, häufig von dem Ort abweicht, an dem Steuerpflicht besteht. Außerdem hängt die steuerliche Beurteilung nicht von den Regelungen zum Arbeitsvertrag oder zum Arbeitsrecht ab.

Jedes Land hat eigene nationale Steuergesetze. Um Doppelbesteuerung zu verhindern, haben Staaten Abkommen geschlossen, so auch die Niederlande und Deutschland. Im Prinzip ist der Ort, an dem der Beruf ausgeübt wird, maßgeblich für die Frage, welches Steuerrecht zur Anwendung kommt. Für Berufskraftfahrer, die einen „mobilen Arbeitsplatz” haben, bleibt allerdings das Steuerrecht des Landes des Wohnsitzes anwendbar, wenn sie nicht mehr als 183 Tage im Jahr im Ausland arbeiten. In diesem Fall wird das Einkommen für die Steuererhebung auf mehrere Länder aufgeteilt. Auch der Sitz des Arbeitgebers und die tatsächliche Art der Berufsausübung als Kraftfahrer spielen dabei eine Rolle.

Wenn es um Entsendung oder um Leiharbeit geht, sind weitere Informationen erforderlich.

Der Fahrer fährt ausschließlich in Deutschland

Steuern

Wenn der Fahrer nur in Deutschland unterwegs ist, werden nur in Deutschland Steuern erhoben. Der Arbeitgeber des Fahrers ist verpflichtet, die Lohnsteuer, die nach deutschem Recht fällig ist, an die deutsche Steuerbehörde abzuführen. In den Niederlanden wird keine Steuer fällig. Das deutsche Einkommen wird aber in den Niederlanden beim so genannten „Progressionsvorbehalt” berücksichtigt. Der Kraftfahrer muss auf seinen Lohn keine Steuern in den Niederlanden zahlen, weil er keinen niederländischen Arbeitgeber hat. Er muss in den Niederlanden eine Erklärung abgeben, wenn er über andere Einkünfte verfügt oder wenn er zusammen mit sein Partner Hypothekzinsen absetzen möchte auf das Einkommen von sein Partner.

Wenn der Kraftfahrer in die deutsche Steuergesetzgebung fällt, ist er ein ausländischer Steuerpflichtiger. Unter gewissen Bedingungen kann er in Deutschland eine Erklärung einreichen und mit inländischen Steuerpflichtigen gleichgestellt werden. Das heißt unbeschränkte Steuerpflicht. Dies kann Vorteile haben.

Der Kraftfahrer bleibt als Einwohner der Niederlande natürlich auch dort steuerpflichtig. Und weil das Einkommen häufig nur aus dem Lohn besteht, zahlt er in den Niederlanden keine Steuern.

Sozialversicherung

Für die Beurteilung der Sozialversicherung ist EU Verordnung 883/04 anwendbar. Weil in diesem Fall nur in Deutschland gearbeitet wird, ist der Arbeitnehmer auch dort sozialversichert. Der Arbeitgeber muss daher neben der Lohnsteuer auch die Sozialversicherungsbeiträge an die Krankenkasse abführen.

 

Der Kraftfahrer fährt durch die gesamte EU

Steuern

Wenn der Kraftfahrer in mehreren Ländern in der EU unterwegs ist, ist der Anspruch auf Steuererhebung aufgeteilt. In Deutschland werden nur für den Teil des Lohnes Steuern erhoben, der sich auf die Tage bezieht, an denen der Fahrer tatsächlich dort gefahren ist. Für die Tage, an denen der Arbeitnehmer entweder in den Niederlanden oder einem anderen Land unterwegs war, hat das Wohnland Niederlande das Recht, Steuern zu erheben. Von dieser Regel gibt es eine Ausnahme, nämlich für den Fall, dass die Arbeit in einem EU‐Mitgliedsstaat mehr als 183 Tage im Jahr ausgeübt wird. In dieser Situation werden auch für den Teil des Lohnes, neben dem Teil, der sich auf Deutschland bezieht, in den Niederlanden keine Steuern erhoben. In den Niederlanden erfolgt in diesem Fall eine Freistellung. Der Arbeitnehmer ist selbst dafür verantwortlich, für diesen Teil im betreffenden EU-Mitgliedsstaat Steuern zu zahlen. Der deutsche Arbeitgeber kann für diesen Arbeitnehmer in den Niederlanden keine Lohnsteuer abführen. Dadurch muss der Arbeitnehmer sich selbst bei der niederländischen Steuerbehörde an seinem Wohnort anmelden und dort mitteilen, wie hoch in dem Jahr geschätzt der Lohn sein wird, der sich auf der Niederlande und andere Länder als Deutschland (sofern dort weniger als 183 Tage gearbeitet wird) bezieht. Die niederländische Steuerbehörde erlässt in diesem Fall monatlich eine vorläufige Veranlagung (voorlopige aanslag), die nach Ablauf des Jahres bei der Steuererklärung verrechnet wird.

Der Kraftfahrer bleibt prinzipiell in Deutschland lohnsteuerpflichtig. Wenn seine Tätigkeit allerdings praktisch vollständig (mehr als 90%) außerhalb Deutschland erfolgt, wird in Deutschland keine Lohnsteuer einbehalten. Er muss aber das (übrige) Einkommen, dass er für in Deutschland verrichtete Tätigkeiten erhält, bei der Einkommenssteuererklärung angeben.

Wenn der Kraftfahrer teilweise in den Niederlanden besteuert wird, muss er berücksichtigen, dass er in Deutschland keinen Anspruch auf steuerliche Vorteile wie die Steuerklasse 3 hat. Er ist kein unbeschränkt Steuerpflichtiger mehr.

Sozialversicherung

Der Kraftfahrer ist im Prinzip in Deutschland sozialversichert, weil der Arbeitgeber seinen Sitz in Deutschland hat. Der Beitrag wird für das weltweite Einkommen erhoben. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge für das gesamte Einkommen des Fahrers an die Krankenkasse abführen muss.

Arbeitet der Fahrer mehr als 25% in den Niederlanden, wechselt die Sozialversicherungspflicht nach die Niederlande. Bei internationalen Kraftfahrern, die jedes Jahr andere Routen fahren, kann das dazu führen, dass ihre Versicherungspflicht regelmäßig wechselt. Der deutsche Arbeitgeber muss darauf achten und darauf vorbereitet sein, dass er die Sozialversicherungsbeiträge nach niederlädischem Recht an die niederländische Steuerbehörde abführen muss.

Siehe auch ,Arbeiten in mehreren Ländern’.

 

Der Fahrer fährt ausschließlich in den Niederlanden

Steuern

Weil der Fahrer nicht in Deutschland arbeitet, zahlt er in Deutschland keine Steuern. Die Steuern werden in den Niederlanden abgeführt.

Sozialversicherung

Wenn der Fahrer nur in den Niederlanden fährt, ist er in den Niederlanden sozialversichert. Der deutsche Arbeitgeber muss sich bei den Steuerbehörde in den Niederlanden anmelden und dort die nach niederländischem Recht fälligen Sozialversicherungsbeiträge abführen.

 

Der Fahrer fährt überwiegend außerhalb der Niederlande und von Deutschland

Steuern

Steuern werden in dem Land erhoben, in dem er mehr als 183 Tage pro Jahr arbeitet. In dieser Situation wird auch für diesen Lohnanteil, neben dem Teil, der sich auf Deutschland bezieht, in den Niederlanden keine Steuer erhoben. Der Restbetrag wird zwischen den Niederlanden und Deutschland aufgeteilt. Der Steuerpflichtige muss sich selbst bei der Steuerbehörde des Landes anmelden, in dem er überwiegend unterwegs ist. In den Niederlanden muss nur eine Erklärung für die Einkommensteuer vorgelegt werden, wenn dort ein eigenes Einkommen oder Einkommen eines Ehepartners generiert wurde, mit dem die betroffene Person eine gemeinsame Erklärung einreicht. Wenn der Fahrer aus deutscher Perspektive mehr als 90% seiner Tätigkeiten im Ausland verrichtet, müssen nur deutsche Einkünfte in der Erklärung angegeben werden.

Arbeitet der Fahrer nicht mehr als 183 Tage in einem Land, wird der gesamte Lohn in den Niederlanden besteuert.

Sozialversicherung

Weil der Arbeitgeber in Deutschland seinen Sitz hat, ist der Fahrer in Deutschland sozialversichert.

 

Weitere Informationen:

Steuern:

www.belastingdienst.nl
www.finanzamt.nrw.de

Sozialversicherungen:

www.dvka.de
www.svb.nl/bdz
www.deutsche‐rentenversicherung.de

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