Beratung bei der Sprechstunde des GrenzInfoPunktes Rhein-Waal: „Sehr dankbare Arbeit“

Steuern, Rente, Krankenversicherung, Kindergeld… Alles Dinge, an die man denken muss, wenn man ins Nachbarland auswandern möchte oder dort eine Arbeitsstelle annimmt. Dafür organisiert der GrenzInfoPunkt Rhein-Waal jeden letzten Dienstag im Monat eine Beratungssprechstunde, bei der Experten kostenlos Rede und Antwort stehen. Welche Fragen werden häufig gestellt? Und was schätzen die Experten an der Sprechstunde? Die Berater im Interview.

Ein Job im Nachbarland – wo fängt man da bloß an? Bei der Sprechstunde des GrenzInfoPunktes können Stefanie Rösing (Werkgeversservicepunt Achterhoek) und Sophie Niebergall (Bundesagentur für Arbeit Kleve und EURES-Beraterin) bei der Suche helfen. „Viele Arbeitsuchende finden es schwierig, sich zu bewerben – vor allem, wenn sie das schon eine längere Zeit nicht mehr gemacht haben. Sich im Ausland zu bewerben, geht dann natürlich noch einen Schritt weiter“, erzählt Niebergall. „Wir stehen Arbeitssuchenden zur Seite. In Deutschland ist es auch so, dass man allerlei Zertifikate und Zeugnisse bei der Bewerbung mitschicken muss, während in den Niederlanden ein Anschreiben und der Lebenslauf meist ausreichen.“ „Wir weisen die Bewerber auch immer darauf hin, wie wichtig es ist, die Sprache des Ziellandes zu lernen“, ergänzt Rösing.

Viele Fragen zur Steuererklärung

Steuern sind ein Thema, um das man auch beim Arbeiten im Ausland nicht herumkommt. Helen Huls, Dirk Kiers und Laurens Tomassen vom niederländischen Belastingdienst (ähnlich dem Finanzamt) können sich über zu wenig Anlauf während der Sprechstunde nicht beschweren: „Wir haben immer viele Ratsuchende, aber im Frühjahr ist der Ansturm besonders groß“, so Huls. „Dann ist nämlich wieder die Steuererklärung fällig.“ Kiers erklärt, dass dabei bestimmte Fragen immer wieder auftauchen: „Wenn Arbeitnehmer in dem einen Land wohnen und im anderen arbeiten, fragen sie sich häufig, in welchem Land ihr Gehalt versteuert wird. Und manche Menschen arbeiten sogar in zwei oder drei Ländern – dann wird die Beantwortung der Fragen natürlich nochmal komplizierter.“ „Aber wir lernen auch bei jeder Sprechstunde etwas Neues“, ergänzt Tomassen. „Das macht für uns die Beratung hier aus!“

Das A und O: Offen für die andere Kultur sein!

Wer im Nachbarland arbeitet oder wohnt, sieht sich auch unweigerlich mit kulturellen Unterschieden zwischen den Ländern konfrontiert. Für die Herausforderungen, die eine Auswanderung auf diesem Gebiet mit sich bringt, steht die interkulturelle Trainerin Ingeborg Lindhoud bei der GIP-Sprechstunde beratend zur Seite. „Ich beginne ein Gespräch meistens mit der Frage, ob meinem Gegenüber selbst schon kulturelle Eigenheiten im Nachbarland aufgefallen sind – etwa beim Bewerbungsprozess“, erzählt Lindhoud. „Darauf kann ich dann aufbauen: Wie schätzen Sie diese Erfahrung ein? Was ist Ihnen sonst noch aufgefallen? So wird für mich deutlich, in welchen Bereichen die Person noch Tipps braucht.“ Ein immer wiederkehrendes Thema in ihren Beratungsgesprächen ist der Umstand, dass Niederländer sich viel schneller Duzen als Deutsche. Auch Lindhoud betont in jedem Gespräch, wie wichtig es ist, die Landessprache zu lernen. „Mein wichtigster Tipp: ohne Vorurteile und mit einer offenen Haltung in der neuen Umgebung starten.“

Viel Unsicherheit bezüglich Krankheit im Ausland

Besucher der Sprechstunde mit Fragen rund um die Themen Arbeitsverträge, Krankheit und Rechte von Arbeitnehmern finden bei Hans Theunissen (FNV) und Manfred Artz (DGB) ein offenes Ohr. Die Mitarbeiter der niederländischen und deutschen Gewerkschaften erzählen, dass es bei den Ratsuchenden viel Unsicherheit gibt, wenn es um krankheitsbedingte Ausfälle im Nachbarland geht. „Viele Grenzarbeiter wissen zum Beispiel nicht genau, wie sie sich krankmelden müssen. Im Fall von langwieriger Krankheit ist der Arbeitgeber in den Niederlanden zum Beispiel viel länger verpflichtet, weiter das Gehalt zu zahlen“, erzählt Theunissen. „Das ist ein Thema, zu dem es hier immer viele Fragen gibt.“

Unterschiede bei der Familienversicherung

Wie steht es denn mit der Krankenversicherung, wenn man einen Job im Nachbarland annimmt oder auswandert? Auch auf diesem Gebiet gibt es wieder Unterschiede zwischen dem deutschen und dem niederländischen System, wie Saskia Lamers (BARMER Krankenkasse) weiß: „In den Niederlanden ist man zum Beispiel bis zum 18. Lebensjahr bei den Eltern mitversichert, danach nicht mehr. In Deutschland können junge Erwachsene auch noch länger von der Familienversicherung profitieren und es gibt mehr Möglichkeiten. Das sorgt für viele Fragen. Außerdem wollen viele Grenzarbeiter gerne wissen, wo sie versichert sind, wenn sie in dem einen Land wohnen und in dem anderen arbeiten.“ Lamers mag ihre Beraterfunktion beim GrenzInfoPunkt: „Es macht mir wirklich Spaß, hier Rat geben zu können. Es tauchen immer wieder neue Fragen auf und ich habe den Eindruck, den Menschen wirklich helfen zu können.“

Erleichtert auf den Heimweg

Nadine Sommer (Bureau Duitse Zaken/Sociale Verzerkeringsbank) ist da der gleichen Meinung wie Saskia Lamers. Ihr werden vor allem Fragen über Rentenaufbau, Kindergeld, Krankenkasse und Arbeitslosengeld gestellt. „Ich finde die Arbeit hier sehr dankbar. Die Menschen, die zur Sprechstunde kommen, sind teilweise schon lange auf der Suche nach Informationen und haben schon verschiedene Stellen abgeklappert. Viele ihrer Fragen kann ich dann oft mit einem Mal aufklären, was für Erleichterung sorgt. Und wenn ich die Antwort mal nicht kenne, bin ich hier bei der Sprechstunde von genug Experten umgeben, die ich direkt ansprechen kann!“

Wenn Sie Fragen über das Wohnen, Arbeiten oder Studieren im Nachbarland haben, können Sie diese  neben unserer offenen Sprechstunde auch im persönlichen Einzelgespräch stellen. Termine können unter gip@euregio.org oder 02821 – 793079 vereinbart werden.

 

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