Gedeputeerde Peter Kerris. (c) Provincie Gelderland
Gedeputeerde Peter Kerris. (c) Provincie Gelderland

Deputierter der Provinz Gelderland Peter Kerris zum Arbeitsbesuch beim GrenzInfoPunkt Rhein-Waal

Wer in der deutschen Grenzregion wohnt und auf Jobsuche ist, sucht meist nur in Deutschland. Das ist schade – denn auch in den Niederlanden finden sich spannende offene Stellen. Aber auf was muss man achten, wenn man auf der anderen Seite der Grenze ein Arbeitsverhältnis eingeht? Der GrenzInfoPunkt der Euregio Rhein-Waal kann alle Fragen rund um dieses Thema beantworten. Um mehr darüber zu erfahren, besuchte Peter Kerris, Deputierter der Provinz Gelderland, am Freitag, 5. März, die Grenzpendlerberatungsstelle im Rahmen eines digitalen Arbeitsbesuchs.

Sjaak Kamps, Geschäftsführer der Euregio Rhein-Waal, hieß zunächst alle Anwesenden willkommen und stellte die Euregio Rhein-Waal sowie das europäische Förderprogramm INTERREG vor. Nachdem der GrenzInfoPunkt Rhein-Waal mehrere Jahre durch das INTERREG-Programm finanziert wurde, wird er nun durch die NRW-Landesregierung auf deutscher sowie das Ministerium für Soziales und Arbeit und die Provinzen Gelderland, Limburg und Nord-Brabant unterstützt.

Das Erlernen der Nachbarsprache: von großer Bedeutung

Joachim Kaufmann (Programmmanagement INTERREG V A Deutschland-Nederland) präsentierte anschließend kurz einige andere aktuelle Projekte aus dem INTERREG-Programm – beispielsweise „Sprich deine Nachbarsprache“ und „Nachbarsprache & Buurcultuur“. Laut ihm und Kamps ist es in der Grenzregion mehr als hilfreich, Deutsch zu sprechen. „Wenn man in Deutschland arbeiten möchte, ist es sehr wichtig, dass man auch Deutsch spricht. Denn es ist im Allgemeinen die gesprochene Sprache – und nicht Englisch. Die Bedeutung der Nachbarsprachen im Bildungswesen erfordert ständige Beachtung. Und wir können das nicht alleine machen: Wir brauchen dafür die regionalen und nationalen Behörden.“

Anerkennung von Abschlüssen: Es ist noch ein langer Weg

Kerris, der als Deputierter unter anderem für die Themen Bildung und Arbeitsmarkt verantwortlich ist, fragte Kamps im Anschluss nach dem aktuellen Stand bezüglich der grenzüberschreitenden Anerkennung von Abschlüssen. „Vieles hat sich im Laufe der Jahre verbessert, aber in einigen Bereichen ist es immer noch sehr schwierig“, erklärte Kamps. „Besonders kompliziert ist es bei reglementierten Berufen, etwa in der Pflege. Das Verfahren zur Anerkennung eines Abschlusses in einem Nachbarland kann sehr lange dauern, und manchmal wird er immer noch auf einem niedrigeren Niveau eingestuft als in dem Land, in dem der Abschluss erworben wurde. Das hat dann lebenslange Auswirkungen u.a. auf das Gehalt.“ Sehr frustrierend, so Kamps.

Fragen zur staatlichen Hilfe, aber auch alltägliche Themen

Danach war Carola Schroer an der Reihe, die Kerris ihre Tätigkeiten als Beraterin beim GrenzInfoPunkt Rhein-Waal beschrieb. Besonders neugierig war er, welche Fragen der GrenzInfoPunkt Rhein-Waal während der Corona-Pandemie erhält. „Uns haben im vergangenen Jahr viele Fragen zur TOZO-Regelung erreicht“ , sagte Schroer. „Selbstständige, die in Deutschland wohnen, aber in den Niederlanden arbeiten, fallen durch das Raster. Außerdem erhalte ich viele Fragen zu alltäglichen Themen – beispielsweise, ob man noch in Deutschland einkaufen gehen oder seine Familie dort besuchen darf.“

Homeoffice: Wie sieht es damit nach der Corona-Pandemie aus?

Etwas, das man laut Schroer im Auge behalten sollte, ist das Arbeiten von zu Hause aus. Die Corona-Pandemie habe dazu geführt, dass die Menschen in großem Umfang von zu Hause aus arbeiten sollen, und es sei zu erwarten, dass dies auch weiterhin der Fall sein werde. Für Grenzgänger habe das allerdings erhebliche Konsequenzen: Sobald sie mehr als 25 Prozent ihrer Arbeitszeit in ihrem Wohnsitzland verbringen, würden die Sozialversicherungsbeiträge in ihrem Wohnsitzland und nicht in ihrem Arbeitsland erhoben, erklärte Schroer. „Die betroffenen niederländischen und deutschen Behörden haben sich darauf geeinigt, dass die aktuelle Situation so außergewöhnlich ist, dass die Arbeit von zu Hause aus während der Corona-Pandemie keine Auswirkungen auf die bestehenden Sozialversicherungsregelungen für Grenzgänger hat. Doch was wird nach der Corona-Pandemie passieren?“

Horizont erweitern

Grenzpendlerin Femke Hoebergen weiß, wovon Schroer redet. Sie arbeitet bei der deutsch-niederländischen Kommunikationsagentur mediamixx in Kleve. „Sollte ich nach der Corona-Pandemie zwei Tage oder mehr von zu Hause aus arbeiten wollen, bedeutet das für mich und meinen Arbeitgeber eine Menge bürokratischen Aufwand. Deshalb werde ich mir das zweimal überlegen.“ Unabhängig davon ist sie sehr zufrieden mit ihrer Arbeitsstelle in Deutschland. „Ich finde es wichtig, meinen Horizont zu erweitern. Und das klappt sicherlich, wenn man in einem anderen Land arbeitet. Meine Kollegen sind Niederländer und Deutsche und mir gefällt es gut, wie wir miteinander zusammenarbeiten. Mein Schritt über die Grenze war eine sehr gute Wahl.“

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