Grenzüberschreitende Arbeitsmarktplattform
erfolgreich gestartet

Rund 30.000 Einwohner in Nordrhein-Westfalen pendeln täglich zur Arbeit in die Niederlande. Diese Zahl klingt beeindruckend, könnte aber um ein Vielfaches höher sein, wenn es nicht so viele Hindernisse gäbe, die in einigen Fällen die Arbeit über die Grenze hinaus erschweren. Um diese Hindernisse so weit wie möglich zu beseitigen, hat der GrenzInfoPunkt der Euregio Rhein-Waal die grenzüberschreitende Plattform Arbeit/dsmarkt Euregio Rhein-Waal ins Leben gerufen.

Am 24. Januar fiel im Beisein von rund 100 Arbeitgebern, Arbeitnehmern und anderen Interessierten der offizielle Startschuss für die Plattform im Burgers‘ Zoo in Arnheim. Verschiedene Experten berichteten über die Chancen, Vorteile und Herausforderungen im Nachbarland zu arbeiten. In den abschließenden Workshops war der Beitrag der Teilnehmer gefragt: Sie konnten ihre Vorstellungen über die Umsetzung des Aufgabenpakets der Arbeitsmarktplattform äußern. In Kürze werden wichtige beteiligte Akteure im Bereich des grenzüberschreitenden Arbeitsmarktes in Kleve eine Absichtserklärung vorbereiten, in der ihre Ziele zusammengefasst werden.

Personal werben im Nachbarland

Der Fachkräftemangel sei in beiden Ländern hoch, und schon deshalb lohne ein Blick über die Grenze, sagt Cornelia Daheim von Future Impacts Consulting, die seit Jahren Perspektiven und Trends auf dem Arbeitsmarkt erforscht. „Die Zahl der Erwerbstätigen wird in den kommenden Jahrzehnten sinken, was den Fachkräftemangel verschärfen wird – ein Problem, das in Deutschland noch größer ist als in den Niederlanden“, sagt Daheim.

Arno Knoops, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Aranco, das sich auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit spezialisiert hat, unterstrich dieses Ergebnis. Er betonte, dass das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht gekommen sei: „Dies schafft dem Arbeitnehmer die Möglichkeit, in seinem Nachbarland einen Arbeitsplatz zu finden, der im eigenen Land nicht angeboten wird. Unterschiedliche steuerliche Regelungen können es auch finanziell attraktiver machen, im Nachbarland einen Job zu suchen“, so Knoops.

Arbeitsmarkt ohne Grenzen

Wenn es in der Euregio Rhein-Waal einen gemeinsamen und grenzenlosen Arbeitsmarkt gäbe, wäre das ein großer Impuls für die Wirtschaft, sagte Hubert Bruls, stellvertretender Vorsitzender der Euregio Rhein-Waal und Bürgermeister von Nimwegen. „Diese könnte um bis zu acht Prozent wachsen. Deshalb müssen wir uns zum Ziel setzen, die Grenze weiter verschwinden zu lassen und Hindernisse zu beseitigen.“ Die Plattform Arbeit/dsmarkt reagiert darauf, indem sie eine strukturelle und ergebnisorientierte Zusammenarbeit zwischen Akteuren aus Wirtschaft, Bildung und Institutionen im Bereich der Arbeitsvermittlung anstrebt. Alle mit einem gemeinsamen Interesse über die Landesgrenzen hinweg, mit einer einzigen ausführenden Organisation und dem Ziel einer besseren Arbeitsmobilität.

Es ist viel zu tun

Dazu gehört insbesondere auch, innerhalb von (Vermittlungs-)Organisationen sowie bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern mehr Bewusstsein für die Möglichkeiten des grenzüberschreitenden Arbeitens, mehr gegenseitiges kulturelles Verständnis und mehr Aufmerksamkeit für die Nachbarsprache zu schaffen. Von großer Bedeutung ist außerdem, die Bedürfnisse von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und des Bildungswesens zu erfassen. Ein wichtiges Bindeglied im gesamten Prozess ist der GrenzInfoPunkt Rhein-Waal, die Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema Arbeiten im Nachbarland.

In einem nächsten Schritt werden Arbeitsgruppen in den Bereichen Arbeitsvermittlung, Bildung und Informationsvermittlung gebildet, die auf Grundlage einer Reihe strategischer Ziele konkrete Handlungsempfehlungen ausarbeiten.

Rund 100 Arbeitgeber, Arbeitnehmer und anderen Interessierten sorgten für ein volles Haus im Burgers' Zoo.
Die Arbeitsmarktforscherin Cornelia Daheim hielt einen Vortrag zum künftigen Arbeitsmarkt.
Moderatorin Katja Schleicher (r.) und Han Groot Obbink (2. v.r.), Geschäftsführer des Wunderlands Kalkar, während der Diskussionsrunde.
Andy Radzimski und Arno Knoops (v.l.) von Aranco stellten am Ende die Ergebnisse der beiden Workshops vor.