Von Kleve nach Amsterdam und wieder zurück

Seit über fünfzehn Jahren pendelt Andreas van Koeverden fast täglich zwischen seinem Wohnort Kleve und seiner Arbeitsstelle in Amsterdam. Um die nicht ganz so kleine Distanz zwischen den beiden Orten zu überbrücken, arbeitet er einige Tage in der Woche im Homeoffice oder übernachtet in der niederländischen Hauptstadt. Was hat ihn dazu bewogen, im Nachbarland zu arbeiten? Wie ist es ihm bei diesem Schritt ergangen? Hier lesen Sie mehr über seine Erfahrungen als echter Grenzpendler.

Herr van Koeverden, können Sie sich kurz vorstellen?

Bei FedEx Express International B.V. in Amsterdam bin ich als Managing Director Customer Logistics Management tätig. Geboren in Kleve – Griethausen habe ich auf Basis der Fachhochschulreife eine Logistikausbildung bei der Deutschen Bahn und Qualifizierung im  Finanzmanagement an der Management School in St. Gallen in der Schweiz absolviert.

Warum die Niederlande/Amsterdam? Was hat Sie dorthin verschlagen?

Als Senior General Manager Credit & Administration wurde ich 2003 aus der deutschen Organisationseinheit TNT Express GmbH, in die Konzernzentrale nach Amsterdam in die Position Director Global Credit & Administration berufen. Ab 2010 habe ich dann die Position Director Global Working Capital Management bekleidet bis TNT Express im Jahre 2016 von FedEx übernommen wurde.

Andreas van Koeverden.
Andreas van Koeverden.

In Deutschland leben und in den Niederlanden arbeiten bedeutet, dass verschiedene Aspekte geregelt werden müssen (Steuern, Krankenversicherung, Sozialversicherung, etc.). Was sind Ihre Erfahrungen auf diesem Gebiet? Wie und wo haben Sie Informationen gesucht?

Trotz der Begleitung durch einen Expat-Service, der durch den Arbeitgeber gestellt wurde, haben sich im Jahre 2003 die Themen der steuerlichen als auch sozialversicherungsseitigen Regelungen als aufwändig herausgestellt. Hier war die Frage des „non-residenten“ oder „residenten“ Steuerzahlers von besonderer Bedeutung. Insbesondere deshalb, weil ich einen Zweitwohnsitz in den Niederlanden hatte. Die verfügbaren Berater hatten seinerzeit entweder gute Kenntnisse aus niederländischer oder deutscher Sicht, aber nicht übergreifend. Insofern habe ich leider erfahren müssen, dass mein steuerlicher Status falsch eingestuft wurde und die Steuererklärung für die ersten beide Jahre korrigiert werden musste. Nach wie vor engagiere ich zwei Steuerberater, um unnötige Komplikationen zu vermeiden.

Was sind die auffälligsten/größten Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Unternehmenskultur? Wie erleben Sie diese?

Das Miteinander in niederländischen Unternehmen und insbesondere im internationalen Umfeld ist wesentlich umgänglicher, toleranter und unkomplizierter als ich dies aus Deutschland gewöhnt war. Niederländer sind wesentlich pragmatischer veranlagt und haben eine größere Risikobereitschaft. Andererseits ist die Liebe zum Detail weniger stark verbreitet. Über die Jahre ist es mir gelungen, eine gesunde und wohl akzeptierte Balance zu finden und daraus meinen Nutzen zu ziehen.

Und zwischen den beiden Kulturen im Allgemeinen?

Die niederländische Kultur ist wesentlich stärker dadurch geprägt, dass ein Streben nach Debatte und Konsens zum wesentlichen Bestandteil von Entwicklungsprozessen gehört und aus diesem Grund weniger die Obrigkeitsakzeptanz zum Tragen kommt.

Können Sie uns ein paar Tipps für Grenzgänger geben?

Auch wenn in den Niederlanden die deutsche, als auch die englische Sprache gesellschaftsfähig sind, so ist es sehr zu empfehlen, die niederländische Sprache zu erlernen.

Die zuvor genannten Klärungspunkte hinsichtlich der steuerlichen, als auch der sozialversicherungsseitigen Behandlung sollten vor Beginn der Tätigkeit geklärt werden, da eine spätere Klärung sehr zeitraubend sein kann.

Es empfiehlt sich, möglichst schnell ein Netzwerk mit niederländischen Kollegen aufzubauen, welches bei der Akzeptanz sehr hilfreich sein kann.

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